Viele Gesichter
- Claas Terpoorten
- 4. Juli 2020
- 2 Min. Lesezeit
Wir sehen jeden Tag mehr Gesichter als wir verarbeiten können. Was macht das mit uns? Welche Auswirkungen hat das auf unsere Selbstwahrnehmung?
Wenn man der Biologie Glauben schenken möchte, prägt sich der Mensch pro Tag ca. 10 Gesichter intensiv ein. Das ergibt historisch gesehen auch Sinn. Denn warum sollte das Gehirn sich in kleinen Lebensgruppen mehr als 10 Gesichter pro Tag einprägen müssen?
Die Gesichter des Tages:

Doch wie vielen Gesichtern sind wir jeden Tag eigentlich ausgesetzt? Morgens in der Nachrichtenapp, auf dem Weg in die Arbeit auf Werbeplakaten, später im Fernsehen und dann abends auf Instagram vor dem Schlafengehen? Alleine bei letzterem sind es Unzählige. Und welche 10 von dieser Flut an Gesichtern prägen wir uns ein? Natürlich die, die uns am meisten beschäftigen - die Schönsten! Und an welchem Standard für Schönheit orientieren wir uns? An dem uns täglich eingeprägten Standard der schönsten Gesichter, die wir gesehen haben.
Die Realität:
Doch schau dich mal um. In der Bahn, im Café oder auf der Straße und sag mir, ob diese Menschen unserem eingeprägten Standard entsprechen. Was sagen sie? Wie fühlen sie sich? Welche Emotionen und welche Seelen stecken hinter ihren Augen? Sind sie alle unschön, weil sie nicht unserem Schönheits-Standard entsprechen? Wir sind „nur“ Menschen und vergleichen uns abends im Spiegel mit überschönten Darstellungen der ohnehin schon schönsten Models. Und vielleicht fühlen wir uns unschön, weil wir unterhalb unseres verzerrten Schönheits-Standards liegen.

Wenn wir uns jedoch mit unserem realen Umfeld vergleichen - zum Beispiel dem Bäcker, der morgens das Brot backt, oder dem übermüdeten Typ da vorne in der Bahn mit dem Kaffee in der Hand, der gerade die Nachrichten liest - würden wir merken, dass wir sogar toller und schöner sind als bisher angenommen.
Aus welchem Grund geben wir uns dieser Informationsflut hin, verschieben unser Wertesystem so sehr ins Extreme und machen uns Druck, genauso gut zu sein wie Jay Alveres, Alexis Ren oder Kim Kardashian, denen es insgeheim wahrscheinlich sogar schlechter geht als den meisten von uns? Die ganzen Informationen sind interessant. Und wir brauchen immer stärkeren Konsum, um unser Wirtschaftssystem am Laufen zu halten, das steht außer Frage.
Doch müssen viele von uns so sehr unter solchen Aspekten leiden? Müssen wir uns selber so abgängig von unserem Schönheits-Standard machen? Müssen wir genau so sein wie die meisten da draußen?
Nein, das müssen wir nicht. Vielleicht tut es uns gut, das Handy mal öfter zur Seite zu legen und zu fühlen, was um uns herum WIRKLICH so geschieht. Wenn wir unser wahres Umfeld als Relation sehen, werden wir uns besser fühlen, als wenn wir uns von verzerrten Standards kaputt machen lassen.
Probiere doch mal:

Probier doch mal morgens in der Bahn oder unterwegs auf der Straße die mobilen Daten auszumachen, die Leute um dich herum anzuschauen und sie auf dich wirken zu lassen.
Wie fühlen sie sich? Was geht in ihnen vor? Was sagt ihre Seele? Und entsprechen sie deinem Schönheits-Standard? Ich schätze nur wenige werden ihm entsprechen!
Interessant: Frauen können sich Gesichter besser merken als Männer, da sie mehr Details im Gesicht wahrnehmen und ein reichhaltigeres Erinnerungsbild kreieren.
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